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Am Schacht Konrad: Zeitzeugin aus Japan berichtet über Fukushima

11. März 2017 von
Die japanische Zeitzeugin Shinobu Katsuragi berichtet über das Leben nach der Katastrophe von Fukushima. Foto: Alexander Panknin
Salzgitter. Gestern trafen sich zum 16. Mal Atom-Gegner am Schacht Konrad zur "Mobilen Atomaufsicht". Als Ehrengast nahm auch die Japanerin Shinobu Katsuragi an der Protestaktion teil und berichtete über das Leben in Japan nach der Katastrophe Fukushima.

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30 Jahre Widerstand

Im August 1987 gegründet, kämpft die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad bereits seit 30 Jahren  gegen ein Endlager in unserer Region. Auf der diesjährigen mobilen Atomaufsicht trafen sich Freunde der AG, Interessierte und Atom-Gegner unter der Brücke der Industriestraße Nord, direkt an der Zufahrt zum Schacht Konrad. Im alljährlichen Protestmarsch ging die Gemeinschaft in Begleitung mehrerer geschmückter Traktoren zum großen Tor am Eingang der Anlage. Schwer bewacht blieben die Pforten geschlossen. Von einem Anhänger aus sprachen Vertreter der Arbeitsgemeinschaft über Risiken und Probleme des Schacht Konrads.

Auch das große Atomunglück von Fukushima jährte sich gestern zum 6. Mal. Um auf die Gefahr durch Atomkraft und den dadurch entstehenden schädlichen Müll hinzuweisen, lud man dieses Jahr einen besonderen Ehrengast aus Japan ein.

Fukushima heute

Shinobu Katsuragi vor dem Schacht Konrad. Foto: Alexander Panknin

Shinoba Katsuragi lebte während der Katastrophe von Fukushima in Osaka und half Menschen, die aus Fukushima geflüchtet waren. Vor einigen Jahren ist die Dolmetscherin nach Mühlheim an der Ruhr umgesiedelt. Die Aufklärung über die Folgen der Reaktorkatastrophe ist ihr ein wichtiges Anliegen. Im Rahmen der diesjährigen „Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ ist sie zusammen mit Takashi Kunimoto, sowie Klaudzija und Adam Varanets aus Weißrussland in der Region Braunschweig als Zeitzeugin unterwegs.

Ein Zwischenfall mit Folgen

Sie berichtet über die aktuelle Situation und das Leben nach der Katastrophe. Noch immer sei es ein surreales Leben in den betroffenen Regionen in Japan. Der Energiekonzern Tepco würde nach wie vor alles tun, um den „Zwischenfall“ zu verharmlosen. Es sei ein Milliarden schweres Problem, dass das Land noch lange Zeit beschäftigen werde. Neben den unwahrscheinlich teuren Sanierungsarbeiten, seien es die vermehrten Schadensersatzansprüche aus der Bevölkerung, die dem Konzern und dem ganzen Land zu schaffen machen würden.

Gefährlicher Reismix

Shinobu Katsuragi bittet Deutschland um Mithilfe. Foto: Alexander Panknin

Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und zu zeigen, dass man „alles im Griff“ hätte, würde man zu drastischen Mitteln greifen. Man würde die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus den kontaminierten Landstrichen Fukushimas einfach mit den restlichen Vorräten des Landes vermischen. Gerade kurz nach dem Zwischenfall habe es auffällig viel Obst und Gemüse aus der Region auch in weit entfernten Supermärkten gegeben. Die fürchterlichen Auswirkungen, die dies auf den menschlichen Organismus haben kann wurde hier absichtlich in Kauf genommen.

Doch erste Studien belegen bereits ein gesteigerte Zahl an Schilddrüsenkrebs bei Kinder aus der Präfektur Fukushima. Auch hier versuche man die Situation zu verharmlosen. Es seien keine repräsentativen Zahlen, die angeführten Fälle nach Tschernobyl seien nicht vergleichbar.

Überhaupt scheint das Thema Fukushima nicht nur die Regierung und den Betreiber ratlos zurückzulassen. Auch der Rest der Welt kann sich durch die eingeschränkte Informationspolitik kein wirkliches Bild machen von den Zuständen dort. Die Berichterstattung im Westen sei mittlerweile fast zum erliegen gekommen.

Die Menschen müssen bezahlen 

Mittlerweile habe sich der Betreiber Tepco dazu entschieden, Teile der entstandenen Kosten auf die Bevölkerung abzuwälzen. Jeder Bürger zahlt über seine Stromkosten den Unfall mit. Noch immer versuche man das verseuchte Wasser in Fässern einzulagern, doch die Kapazitäten sind stark begrenzt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits 75 Prozent der Einlagerungsmöglichkeiten ausgenutzt. Und es kommt immer wieder dazu, dass Wasser austritt – die Fässer sind keine Langzeitlösung. Was passieren wird, wenn kein Platz mehr vorhanden ist: noch völlig unklar…

Petition für Japan. Auf der Mobilen Atomaufsicht wurden unzählige Unterschriften gesammelt. Foto: Alexander Panknin

Shinobu Katsuragi rief alle Teilnehmer der Mobilen Atomaufsicht auf, ihr mit einer Unterschrift zu unterstützen. Mit einer Petition der japanischen Vereinigung „Leben ohne Strahlenrisiken“ versuchen die Initiatoren Kiyoko Mito und Terumi Kataoka den Kindern in der Präfektur Fukushima zu helfen, in einer gesundheitlich unbedenklichen Umgebung ihre Schulausbildung zu erhalten.

Jeder kann hierfür seine Unterschrift geben. Ein Exemplar der Petition finden Sie unten. Shinobu Katsuragi nimmt die gesammelten Unterschriften unter der angegebenen Adresse entgegen.

Fukushima Petition

Weitere Informationen auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad.

Shinobu Katsuragi spricht am Schacht Konrad

Bilder von der „Mobilen Atomaufsicht“

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