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Weihnachtsbotschaft von Landesbischof Meyns

24. Dezember 2016 von
Landesbischof Dr. Christoph Meyns ruft in seiner Weihnachtspredigt dazu auf, dem Leben zu vertrauen. Foto: Evang. Landeskirche Braunschweig.
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Braunschweig. Landesbischof Dr. Christoph Meyns hat zu Weihnachten die Kraft des christlichen Glaubens für das gesellschaftliche Miteinander in unserem Land betont.

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Dazu gehöre der Einsatz für das „friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen“, sagte er in seiner Predigt zu Heiligabend im Braunschweiger Dom. Außerdem gehe es darum, dass kranke, alte und sozial schwache Menschen in Würde leben können.

Der Landesbischof warnte davor, Botschaften zu folgen, „die Resignation verbreiten, Angst machen, Misstrauen säen oder sogar Hass predigen“. Einfache Antworten und pauschale Urteilen könnten die Konflikte nicht angemessen lösen. Stattdessen gehe es darum, „unser Urteilsvermögen zu schärfen und genau zwischen Licht und Finsternis zu unterscheiden“. Entscheidend sei, was dem Frieden und der Liebe diene.

Auch wenn es viele Ereignisse im zu Ende gehenden Jahr gegeben habe, die uns verunsichert hätten, rief Meyns dazu auf, dem Leben trotz allem zu vertrauen. Christen seien in den neuen Frieden Gottes getauft: „Ihm Glauben zu schenken, dem Leben zu vertrauen und der Liebe zu dienen, ist unsere Berufung als Christen.“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde!
Der Predigttext für den Heiligen Abend in diesem Jahr steht im Johannesevangelium im 3. Kapitel. Dort lesen wir: Joh 3, 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.
19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.
I.
Im Alten Orient besuchten sich die Herrscher der großen Reiche nur selten untereinander. Zu beschwerlich war das Reisen, zu brüchig der Friede miteinander, zu groß die Gefahr, am fremden Hof einem Anschlag zum Opfer zu fallen. Wenn man sich nicht gerade bekämpfte, blieb man auf Distanz. Manchmal war es aber doch nötig, Kontakt aufzunehmen, um einen Konflikt zu lösen, eine Allianz zu schmieden oder eine Hochzeit zu arrangieren. Dann schickten die Könige, Caesaren oder Pharaonen Männer ihres Vertrauens als Gesandte, mit Vollmachten ausgestattet, in ihrem Namen Botschaften auszurichten und Verhandlungen zu führen.
Die Ankunft eines Gesandten war ein Ereignis, das für Aufsehen sorgte. Er zog mit einer prunkvollen Karawane in die Stadt ein und verbreitete überall Glanz. Er brachte gute Nachrichten und wohlwollende Absichten mit sich. Ihm zu Ehren wurden rauschende Feste gefeiert. Auch zeigte sich der einheimische Herrscher von sei- ner besten Seite. Davon hatten alle etwas.
Der Besuch eines Gesandten, diese Erfahrung nimmt der Evangelist Johannes auf, um zu erklären, was es mit Weihnachten auf sich hat. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
Mit Jesus von Nazareth ist Gottes einziger Sohn als sein Gesandter auf die Erde gekommen. Er bringt eine Botschaft des Friedens für die Menschen: Gott betrachtet euch als seine geliebten Kinder. Ihr sind nicht verloren, ihr seid gerettet. Ihr dürft euch als mit ihm versöhnt betrachten. Nichts kann euch von ihm trennen, nicht einmal der Tod.
Es ist ein neues Gottesbild, das mit Jesus auf die Welt kommt: nicht der strenge Richter, der die Menschen an der Befolgung von Gesetzen misst; nicht die unberechenbaren Götter, die durch Opfer besänftigt werden wollen; sondern ein Gott wie ein liebevoller Vater. Daraus ergibt sich ein neues Lebensgefühl: Der Mensch nicht als Sklave von Regeln oder Knecht von Ritualen, sondern als geliebtes Kind und Erbe; das Leben nicht als kurzes Aufblitzen inmitten der Dunkelheit des Todes, sondern als ein Tag ohne Ende; die Welt nicht als Tummelplatz böser Mächte, sondern als Lebensort mit dem Auftrag, das Licht zu suchen und nicht die Finsternis, also Gutes zu tun und Böses zu meiden.
Auf dieser Kunde von dem großen Frieden und von der Freude und dem Licht, das durch Christus in das Leben der Menschen gekommen ist, bauen wir Christinnen und Christen unser Leben. Darin gleichen wir jenen Menschen, in deren Stadt der Gesandte gekommen ist, die ihn in seinem Glanz erleben, die seine Botschaft hören, ihr glauben und deshalb das Leben feiern. Das Weihnachtsfest mit seinem Glanz, den festlich geschmückten Kirchen, der schönen Musik, der besinnlichen Stimmung und den fröhlichen Liedern bringt uns den Geist des Friedens und der Liebe, wie er durch Jesus von Nazareth in die Welt gekommen ist, in besonderer Weise nahe.
II.
Nun ist es in diesem Jahr alles andere als selbstverständlich, sich von der Botschaft dieser Tage anstecken zu lassen. Es ist ja nicht nur der schreckliche Anschlag in Berlin in dieser Woche – ausgerechnet auf einem Weihnachtsmarkt – der uns tief erschüttert hat und zur allgemeinen Verunsicherung beiträgt. Das ganze Jahr lang hatte man ja das Gefühl, die Welt gerät aus den Fugen: die Bürgerkriege im Nahen Osten und in Afrika; die vielen Menschen, die davor fliehen und von denen seit 2014 über 12.000 im Mittelmeer ertrunken sind, das Erstarken nationalistischer, völkischer und fremdenfeindlicher Ideen, der Brexit, die Beeinträchtigung von Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit in Ungarn und Polen, der amerikanische Wahlkampf, die Anschläge von Brüssel, Nizza, Würzburg und Ansbach, dazu die Krise bei VW, das instabile Finanzsystem, ja ist denn die ganze Welt verrückt geworden?
Zugleich hat das meiste davon kaum etwas mit dem zu tun, was wir unmittelbar erleben. Vielen uns uns geht es ausgesprochen gut. Sie können Weihnachten fröhlich und unbeschwert feiern. Und wenn es Sorgen gibt, sind es andere Dinge, die uns be- lasten: Konflikte in der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz, eine schwere Krankheit, der Abschied von einem geliebten Menschen.
Unsere Alltagserfahrung und das, was wir aus den Medien erfahren, lässt sich nicht zu einem zusammenhängenden Gesamtbild zusammensetzen. Es ist wie wenn sich am Horizont Gewitterwolken auftürmen, aber wir nicht wissen: Lösen sie sich einfach irgendwann auf, zieht das Unwetter vorbei oder kommt es über uns herunter? Parallel zu allem, was wir konkret selbst erleben, erzeugt das alles ein Gefühl von Verunsicherung, das unterschwellig unser Lebensgefühl verdunkelt.
III.
Nun ist es historisch betrachtet an sich keine ungewöhnliche Situation. Die längste Zeit in der Geschichte mussten sich Menschen mit Lebenssituationen auseinandersetzen, die von Brüchen und Verunsicherung geprägt waren. Die Älteren unter uns werden sich noch gut erinnern wie es in Braunschweig war nach dem Krieg. Sie waren es gewohnt, dass das Leben kompliziert, unübersichtlich und unsicher war und sich daraus Spannungen und Ambivalenzen ergaben, die sich nicht einfach lösen ließen.
Das gilt auch für die Gemeinden im damaligen Syrien, für die der Evangelist Johannes Ende des 1. Jahrhunderts schreibt. In einem schmerzhaften Prozess wurden sie um diese Zeit herum aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausgestoßen. Zu radikal war ihre Abkehr von der Tora, zu entwertend ihr Umgang mit jüdischen Regeln und Ritualen. Aber auch zu den religiösen Kulten und den philosophischen Schulen ihrer Zeit bekamen sie keinen Anschluss. Sie fanden sich als kleine isolierte Gruppen wieder, von ihren alten Gemeinden verfolgt, von ihrer Umwelt abgelehnt, allein auf sich gestellt und zutiefst verunsichert.
In dieser Situation schreibt Johannes: Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet. Johannes ruft seine Gemeinden in dieser Zeit starker Umbrüche und Unsicherheiten also dazu auf, am Vertrauen auf Gott festzuhalten. Aber er skizziert auch die andere Möglichkeit: wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.
Zeiten der Krise und der Verunsicherung zwingen uns zu einer Entscheidung: Reagieren wir auf das, was wir erleben, mit der Finsternis von Hass und Zerstörung oder bleiben wir im Licht der Liebe? Geben wir der Angst nach oder vertrauen wir dem Leben trotz allem? Ziehen wir uns aus dem Leben zurück, flüchten uns in Eindeutigkeiten oder bleiben wir dem Leben zugewandt und halten deshalb Spannungen und Ängste aus? Geben wir auf, was uns wichtig ist oder setzen uns aktiv dafür ein?
Nun soll es Menschen geben, die, um mit Johannes zu sprechen, die Finsternis mehr lieben als das Licht. Aber eigentlich ist doch klar, dass es nur darum gehen kann, sich dem Licht zuzuwenden.
Im privaten Bereich – so meine ich – heißt das, sich von dem, was einem das Leben so an Lagen beschert, nicht beeindrucken zu lassen. Wie heißt es doch so schön: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.“ Denn darauf vertrauen wir als Christen: Alle unsere Wege, auch die durch Verunsicherung, Angst, Scheitern, Krankheit und Tod, sind von Gottes Licht beglänzt und führen am Ende hinein in seinen Frieden.
Johannes schreibt am Schluss: Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind. Ich verstehe diese Worte als Anregung, im Blick auf das öffentliche Lebens unser Urteilsvermögen zu schärfen und genau zwischen Licht und Finsternis zu unterscheiden. Was dient dem Frieden und der Liebe? Und was nicht? Wir sollten uns Botschaften verweigern, die Resignation verbreiten, Angst machen, Misstrauen säen oder sogar Hass predigen. Auch vor einfachen Antworten und pauschalen Urteilen sollten wir uns hüten. Schon gar nicht sollten wir vertrauen, wer erst alles schlecht redet, um sich dann als Retter zu inszenieren.
Zugleich gilt es, stark zu machen, was unseren Glauben ausmacht: Hoffnung, die niemanden aufgibt, Bereitschaft zum Frieden, Mitarbeit an der Lösung von Problemen, tätige Hilfe für Menschen in Not ohne Ansehen der Person, Einsatz für das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen in unserem Land, und die Arbeit an einer Gesellschaft, in der kranke, alte und sozial schwache Menschen in Würde leben können.
IV.
-4-
Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. In Jesus von Nazareth hat der Gesandte Gottes die Welt besucht, so deutet der Evangelist Johannes die Weihnachtgeschichte in einem Bild aus dem Bereich der Diplomatie. Im Namen Gottes verkündete er einen neuen Frieden. In diesen Frieden hinein hin sind wir getauft. Ihm Glauben zu schenken und aus ihm heraus zu leben, auch und gerade in schwierigen Zeiten, dem Leben zu vertrauen und der Liebe zu dienen, ist unsere Berufung als Christen. Darin folgen wir dem Licht.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

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