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Stadtteile im Porträt – Teil 15 – Watenstedt

10. August 2017
Postkarte von 1900 von Familie Wienecke
Salzgitter. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht die Stadt Salzgitter Berichte der Ortsheimatpfleger. Darin sollen die Stadtteile vorgestellt werden. Weiterhin wird dadurch auf die besondere Arbeit der Stadtexperten aufmerksam gemacht. regionalHeute.de stellt diese in einer Serie vor. Heute geht es weiter mit Bernhard Schroeter für Watenstedt.

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Watenstedt, einst Mitnamensgeber der 1942 gegründeten Stadt, ist der Stadtteil Salzgitters, in dem sich im 20. Jahrhundert nachhaltig die größten Veränderungen vollzogen. Von den einstmals fünf Ackerhöfen in Watenstedt und dem so genannten „Wallhof“ sind bis in das 20. Jahrhundert nur noch ein Ackerhof und die herzogliche Domäne (der Wallhof) übriggeblieben. Vier Ackerhöfe wurden aufgegeben oder zu Halbspännerhöfen geteilt. Dazu kamen noch einige Kotsassenhöfe und Brinksitzerstellen. Watenstedt war über viele Jahrhunderte ein rein bäuerlich geprägtes Dorf mit einer sehr begrenzten Handwerkerschaft.

Nach dem Rückzug des ministerialen Geschlechts „derer von Watenstedt“ nach Braunschweig wurde der Wallhof als Vorwerk von Salder durch das Geschlecht „derer von Saldern“ weitergeführt. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Hof als herzogliche Domäne betrieben. Ab 1828 wurde die Domäne an private Pächter vergeben, der letzte Pächter hier war seit 1929 die Familie Ohligmacher. Watenstedt hat eine romanische Kirche, die an einen mittelalterlichen Wehrturm angebaut wurde. Das Erbauungsdatum ist jedoch nicht bekannt. Erste schriftliche Urkunden und Berichte sind in den früh-reformatorischen Kirchenvisitationsprotokollen des 16. Jahrhunderts zu finden. Die älteste bekannte Karte ist aus dem Jahre 1900. Es ist eine Lithographie, auf der die damals wichtigen Gebäude des Orts dargestellt sind. Die zu sehende Villa Nehring ist das 1893 neu erbaute Domänenpächterhaus – benannt nach dem damaligen Domänenpächter. Ferner erkennbar sind die 1864 neu erbaute Dorfschule, eine Darstellung der Kirche und eine der beiden Gastwirtschaften im Ort, die Gastwirtschaft Meyer, später Wienecke.

Watenstedt kämpft ums Überleben

Die letzten Ansichtskarten aus Watenstedt, farbige Karten mit mehreren Bildern, wurden von dem Papiergeschäft Ohlnhof herausgegeben. Mit der Gründung der Reichswerke im Jahr 1937 und den damit einhergehenden Landbeschaffungsmaßnahmen durch die Reichsumsiedlungsgesellschaft änderte sich alles im Dorf. Der Pachtvertrag für die Domäne wurde zum 15. November 1937 gekündigt, und sie ging in den Besitz der Reichswerke über. Die Bauernschaft Watenstedts wurde ausgesiedelt oder finanziell abgefunden. Dadurch erfolgte ein nahezu kompletter Bevölkerungsaustausch. Während der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts umgaben zahlreiche Lagerbereiche das Dorf, wodurch die Bevölkerung dramatisch anstieg. Heutzutage kämpft das Dorf mit seinen 386 Einwohnern um sein Überleben, da der Ort eventuell aufgegeben werden soll, um einem Industriegebiet zu weichen.

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