BC Tigers: LandesSportBund erschüttert über Missbrauchsvorwurf

16. November 2017 von
Reinhard Rawe vom LandesSportBund nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen den BC Tigers. Foto: regionalHeute.de; LSB
Hannover/Salzgitter. Nachdem die Aufbereitung des Missbrauchsfalls im Boxclub Tigers in Salzgitter nun im vollen Gange ist, schaltet sich auch der LandesSportBund (LSB) ein. Bereits im Oktober hatte regionalHeute.de eine Stellungnahme angefragt, allerdings brauchte es noch ein wenig Zeit, bis sich am heutigen Donnerstag der Vorstandsvorsitzenden direkt zu Wort meldete.

Im Oktober hatte unsere Redaktion bereits eine Antwort erhalten, allerdings wollte man sich zu diesem „konkreten Einzelfall“ noch nicht äußern. Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des LSB, bat um Verständnis und erklärte, dass erst interne Absprachen getroffen werden mussten: „Der Vorfall im Verein BC Tigers hat uns sehr erschüttert.“

Aktiv gegen sexuelle Gewalt

Der LSB und seine Sportjugend hätten bereits 2011 das Projekt Schutz vor sexualisierter Gewalt von Kindern und Jugendlichen im Sport: Prävention, Intervention, Handlungskompetenz für die Dauer von mindestens 10 Jahren installiert. „Um die notwendige fachliche Expertise in der Prävention und Intervention sexualisierter Übergriffe als Grundlage unseres Handelns sicher zu stellen und mit Unterstützung eines fachlich kompetenten Netzwerkes handeln zu können, haben wir eine entsprechende Vereinbarung mit dem Deutschen Kinderschutzbund, Landesverband Niedersachsen getroffen“, erklärt Rawe.

Reinhard Rawe. Foto: LSB

Weiterhin habe der LSB einen Beirat berufen, in dem ausgewiesene Fachkräfte unterschiedlicher Institutionen vertreten sind. Im Leitbild, in der Satzung und in den Richtlinien des LSB sei eindeutig festgelegt, dass jegliche Formen sexualisierter Übergriffe abzulehnen sei. „In diesem Sinne hoffen wir, dass die Betroffenen und ihre Angehörigen gute Unterstützung in der Verarbeitung des Übergriffs erfahren und die Ermittlungsbehörden in ihrer Arbeit erfolgreich sind.“

Kein Pauschalurteil gegen die Tigers

Der Verein BC Tigers sei dem LSB bekannt für seine integrative Arbeit: „Wir halten es nicht für ratsam, die gesamt Arbeit des Vereins in Frage zu stellen und damit letztendlich den Kindern und Jugendlichen, die hier ihre Freizeit verbringen möchten, zu schaden.“

Aus eigenen Erfahrungen und aus dem Austausch mit Fachkräften wisse der LSB, dass es leider keinen hundertprozentigen Schutz vor sexualisierten Übergriffen gibt. Neben der ständigen Optimierung von Präventionsansätzen müssten man Sorge dafür leisten, dass man sich bei Übergriffsfällen professionell verhält. „Wir empfehlen daher eine kompetente Unterstützung des Vorstandes, der Mitarbeitenden und der Mitglieder des Vereins in der Fallaufbereitung. Nur so kann ein übergriff – egal welchen Ausmaßes – mit der notwendigen Fachkompetenz angegangen und für alle (Mit-)Betroffenen (Kinder, Jugendliche, Eltern, Mitarbeitende des Vereins) die Möglichkeit des Hilfe Erhaltens hergestellt werden. Weiterhin raten wir zur Installation eines Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt“, erklärt Rawe.

Innerhalb dieses Schutzkonzeptes müsse es klare Regeln, transparente Beschwerdewege – insbesondere für Kinder und Jugendliche –  geben. Weiterhin brauche man ein Ablaufverfahren, in dem verbindlich vereinbart ist, wie im Verdachtsfall und bei Grenzübertretungen gehandelt wird und von wem der Verein welche Form professioneller Unterstützung erhält.

„Wir haben uns mit dem Verein BC Tigers in Verbindung gesetzt und entsprechende Unterstützung angeboten“, schließ der LSB-Vorstand.

Erst vor kurzem hatte der Niedersächsischen Box-Sport-Verband (NBSV) den Spielerpass des mutmaßlich missbrauchten Mädchens von den Tigers angefordert (regionalHeute.de berichtete). Der Verein wollte die Mitgliedschaft nicht frühzeitig aufkündigen und somit auch den Pass nicht an die Familie des Mädchens herausgeben.

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