Experten trainieren im „Schockraum“ den Ernstfall

4. November 2019
Besprechung nach dem „Schockraum-Training“: v. l. Schildautal Kliniken-Geschäftsführer Sebastian von der Haar, Dr. med. Gregor Herrendorf, Lt. Oberarzt/Leiter der ZNA, Svenja Wüstefeld, pflegerische Leitung der Notaufnahme, Chefarzt Dr. med. Haldun Celebi, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Viszeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie, und weitere Teilnehmer der Übung. Foto: Asklepios Kliniken Schildautal
Seesen. Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen und unterschiedlichen Berufsgruppen, unter anderem erfahrene Ärzte und spezialisierte Pflegekräfte, trainierten in den Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen im Rahmen eines Workshops im sogenannten „Schockraum“ den Ernstfall. Dabei ging es darum, in dem Spezialraum der „Zentralen Notaufnahme“ (ZNA) bereits eingespielte Arbeitsabläufe noch weiter zu optimieren. Dies berichtet die Asklepios Harzkliniken GmbH.

Trainiert wurden alle standardisierten Abläufe, von der telefonischen Anmeldung des Patienten, wenn der Rettungsdienst ihn bringt, bis zur eigentlichen Versorgung im Schockraum. Den Patienten mimte für das Trainingsszenario ein „Statist“. Der Schockraum einer Notaufnahme dient der Erstversorgung schwerstverletzter polytraumatisierter Patienten sowie auch internistisch oder neurologisch instabiler Patienten. Ziel ist die schnellstmögliche Diagnostik und Therapie von lebensbedrohlichen Verletzungen und Erkrankungen. Zusammen mit Kollegen vom örtlichen Rettungsdienst dauerte das Training mehr als sechs Stunden. Externe Trainer, Fachleute aus dem Rettungsdienst, waren mit dabei.

„Die Schockraumversorgung eines Patienten stellt hohe Ansprüche an das gesamte Behandlungsteam“, sagt Sebastian von der Haar, Geschäftsführer der Asklepios Kliniken Schildautal, und selbst ehrenamtlich im Rettungsdienst aktiv. „Um eine reibungslose Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen sicherzustellen, sind klare Strukturen, festgelegte Abläufe und schnelle Entscheidungen notwendig. Die Leiter der Zentralen Notaufnahme und das Team möchten daher in regelmäßigen Abständen solche Trainingsangebote nutzen.“

Das Übungsszenario: „Patient, männlich, Zustand nach Motorradunfall“

Vormittags in den Asklepios Kliniken Schildautal, das Übungsszenario beginnt: Der „Patient“, gespielt von einem Statisten, ist eben eingeliefert worden. „Männlich, Zustand nach Motorradunfall: stumpfes Bauchtrauma, Thoraxtrauma, Kreislauf stabil, nicht intubiert“. Die Ansagen kommen kurz und knapp über das Schockraumtelefon, kurz darauf steht das gesamte Team aus Chirurgen, Narkoseärzten, Narkosepflegern und Pflegern aus der Notaufnahme am Eingang der Zentralen Notaufnahme parat. Was man sonst nur aus TV-Krankenhausserien kennt, ist in den Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen Alltag. Ruhig, ohne Hektik übernimmt der sogenannte „Trauma-Leader“ den Patienten vom Notarzt, das Team formiert sich, zwischen High-Tech-Apparaten und Schläuchen. Völlige Ruhe herrscht auch im Raum, alle hören zu. Erst dann beginnt die weitere Versorgung. „Die Abläufe sind standardisiert, beide Seiten, Krankenhaus und Rettungsdienst wissen, was zu tun ist. Laien mögen hier ein heilloses Chaos erwarten, Hektik, viel Blut und Unruhe. Der Gegenteil ist der Fall: Hier wird in Ruhe und geordnet gearbeitet“, erklärt Dr. med. Gregor Herrendorf, Leiter der ZNA. Ein paar Minuten später: Das Fallbeispiel ist vorbei, kurze Nachbesprechung im Seminarraum: Welche Information .hat gefehlt, welche war zu viel, wo steht was möglicherweise noch nicht an der optimalen Stelle? Einiges ist neu, schließlich ist die Notaufnahme erst vergangenes Jahr als zentrale Einrichtung für Notfälle im Haus eingerichtet und umgebaut worden. Es gilt, die Konzepte im Detail zu überprüfen. Hierzu hat sich die Klinik ein externes Trainingsteam geholt, das Tipps aus anderen Kliniken geben kann und von außen auf die Prozesse schaut. „Der Blick von außen ist viel wert und gibt uns wichtige Hinweise, um noch besser zu werden. Perfekt ist man ja nie“, resümiert Svenja Wüstefeld, pflegerische Leitung der Notaufnahme. Geschäftsführer Sebastian von der Haar ergänzt: „Als selbst jemand, der seit mehr als zehn Jahren im Rettungsdienst aktiv tätig ist, weiß ich, dass diese Situationen immer etwas Besonderes sind. Alle wollen bestmöglich helfen. Manchmal arbeiten so sechs oder mehr Mitarbeiter an einem Patienten. Da hilft es, wenn dies in Ruhe geübt wurde.“ Fazit: Verbesserungen wurden aufgenommen und werden nun umgesetzt.

Ein Schockraum, was ist das genau?

Wenn ein so genanntes Polytrauma durch den Rettungsdienst für den Schockraum angekündigt ist, erwartet ihn in dem Spezialraum das „Schockraumteam“: Es besteht aus Chirurgen, Unfallchirurgen, Neurochirurg, Anästhesist, Pflegekräften der Notaufnahme und Intensivmedizin sowie Mitarbeitern der Radiologie den Patienten. Die Aufgaben der Spezialisten aus vielen Fachbereichen im Schockraum: Aufrechterhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der lebenswichtigen Vitalfunktionen des Patienten, darunter versteht man die von außen wahrnehmbaren Lebensfunktionen eines Organismus. Die wichtigsten Vitalzeichen des Menschen sind Atmung, Herztätigkeit (vertreten durch Blutdruck und Puls), Bewusstsein und Körpertemperatur. Zudem geht es um die Überwachung durch Spezialgeräte, um sonographische und radiologische Diagnostik sowie darum, lebensrettende Soforteingriffe vorzunehmen. Bei der Schockraumversorgung von internistischen und neurologischen Patienten setzt sich das Ärzteteam aus den jeweiligen Fachabteilungen zusammen. Nach der Erstversorgung wird der Patient in der Regel auf die Intensivstation verlegt oder direkt in den OP gebracht, gegebenenfalls werden internistische Patienten direkt im Herzkatheterlabor weiterbehandelt. Schwer betroffene neurologische Patienten können auf die Stroke Unit aufgenommen werden, die spezielle Abteilung für Schlaganfall-Patienten.

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