Führerschein mit 16? Das sagen unsere Landespolitiker

19. Juni 2018 von
regionalHeute.de hat bei den hiesigen Landtagsabgeordneten nachgefragt, was sie vom Führerschein mit 16 halten. Symbolfoto: Max Förster
Region. SPD und CDU wollen sich am Freitag in der Landtags-Sitzung für ein begleitetes Fahren mit 16 Jahren aussprechen. Die Landesregierung soll mit dem eingebrachten Antrag beauftragt werden, weitere Schritte zur Umsetzung einzuleiten und in Brüssel für eine Zustimmung des Europäischen Parlaments zu einer Anpassung der Führerscheinrichtlinie werben.

Als Begründung führen die Parteien an, dass die bundesweite Einführung des begleiteten Fahrens ab 17 zu einer spürbaren Verbesserung der Verkehrssicherheit insbesondere in der Altersgruppe der 18 bis 25-Jährigen geführt habe. So habe sich das Unfallrisiko von Fahranfängern bundesweit um rund 20 Prozent verringert.

Nachgefragt bei den Landtagsabgeordneten von FDP, Grüne und AfD aus der Region erklären diese, dass sie dem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüberstünden. Es müssten allerdings noch einige Details geklärt werden.

Imke Byl und Julia Willie Hamburg (Grüne) „Ein gutes Signal“

Julia Willie Hamburg. Foto:Privat

So erklärten Imke Byl und Julia Willie Hamburg (Grüne) als regional zuständige Abgeordnete für den Großraum Braunschweig-Wolfsburg zum Entschließungsantrag der GroKo, dass sie den Vorschlag begrüßen. 

„Die bundesweit zurückgehenden Verkehrsunfälle unter den 18- bis 25-Jährigen sind ein gutes Signal und zeigen, dass junge Menschen unabhängig von ihrer gesetzlichen Volljährigkeit Verantwortung übernehmen können. Wir hatten uns daher schon unter Rot-Grün klar für eine Herabsenkung des Fahralters ausgesprochen.“

Imke Byl. Foto: Die Grünen

„Wir begrüßen den vorliegenden Vorstoß zum begleiteten Fahren ab 16 Jahren und erwarten, dass die Landesregierung auch bei der Herabsenkung des Wahlalters jungen Menschen mehr Rechte zuerkennt. Da es sich um die erste Beratung handelt, wird am Freitag noch nicht über den Antrag abgestimmt. In den weiteren Ausschussberatungen gibt es aus Sicht der Grünen Landtagsfraktion allerdings noch Änderungsbedarf in einigen Detailfragen, auf die der verkehrspolitische Sprecher Detlev Schulz-Hendel am Freitag näher eingehen wird“, lassen Byl und Hamburg wissen. 

Susanne Schütz (FDP) „Ein Erfolgsmodell“

Susanne Schütz. Foto: FDP

„Der Führerschein mit 17 (begleitetes Fahren) wurde vom damaligen Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) in Niedersachsen eingeführt. Die freien Demokraten waren und sind vom Sinn des begleiteten Fahrens voll überzeugt.

Der Führerschein mit 17 ist in unseren Augen eindeutig ein Erfolgsmodell. Die Unfallzahlen bei Fahranfängern sind deutlich gesunken. Das Fahren mit einer geeigneten Begleitperson übt die Praxis, ich habe es auch bei meinen beiden Kindern als gute Übung wahrgenommen, die deren Fahrsicherheit deutlich erhöht hat. Das gibt auch Eltern ein ruhigeres Gefühl – und den jungen Fahrern erst recht. Der Führerschein mit 16 würde jetzt genau diese Übungsphase verlängern, das halte ich für eine ausgesprochen gute Idee.

Zum Antrag der Regierungsfraktionen werden wir allerdings konkrete Änderungen vorschlagen, weil er uns in der jetzt vorliegenden Form zu allgemein ist. Das würden wir gerne etwas präziser regeln und das Vorhaben vorantreiben“, so Susanne Schütz (FDP).

Stefan Wirtz (AfD) „Es verschafft Routine“

Stefan Wirtz. Foto: Privat

Das begleitete Fahren hat sich eindeutig gewährt: Die Zahl der schwer verunglückten Fahranfänger ist nachweislich zurückgegangen. Bisher lag in der Altersgruppe der 18- bis 25-jährigen Autofahrer das größte Unfallrisiko, verglichen mit anderen Altersgruppen. Auch wenn der Schulungsaufwand in den Fahrschulen ständig gesteigert wurde, sind Führerscheinneulinge bei ihren ersten Alleinfahrten verschiedenen Gefahren ausgesetzt, zum Beispiel durch mangelnde Fahrpraxis, Selbstüberschätzung, ungewohnte Fahrzeuge, nächtliche „Discofahrten“, Alkoholeinfluss und ähnliches.

Begleitetes Fahren, häufig mit einem Elternteil, tagsüber und meist auf vertrauten Strecken, schließt viele der Risikofaktoren in den Anfangsmonaten aus und verschafft erste Routine, um Gefahrensituationen zu vermeiden oder unbeschadet zu überstehen, selbst wenn in dieser Zeit nur relativ wenige gemeinsame Fahrten möglich sind.

Ich befürworte daher den Modellversuch „Fahren mit 16“, für den allerdings noch EU-Recht angepasst werden muss. Wünschenswert wäre ebenfalls die Eintragung von weiteren erwachsenen Angehörigen oder Haushaltsmitgliedern als Begleiter, um mehr solcher Fahrten zu ermöglichen. Gleichzeitig sollte diese Möglichkeit durch Information und Werbung noch bekannter gemacht werden, um die Teilnehmerquote am Programm insgesamt zu steigern.

Björn Försterling (FDP) „Nicht stoppen lassen“

Björn Försterling. Foto: Nigel Treblin

„Schon die auf die FDP zurück gehende Initiative für Fahren ab 17 hatte großen Erfolg. Die Initiative der Fahrlehrer halte ich für ausgesprochen richtig. Wenn wir dadurch unsere Straßen sicherer machen können und jungen Menschen den Straßenverkehr noch besser näher bringen können, dann sollten wir das tun. Wichtig ist, dass wir uns dabei nicht von eventuellen Problemen durch die EU-Gesetzgebung stoppen lassen! Wir begrüßen daher die Bereitschaft der Kommission einen Modelversuch noch in diesem Jahr im Europäischen Parlament zur Debatte zu stellen“, so der Wolfenbütteler FDP Landtagsabgeordnete Björn Försterling und kündigt an, dem Antrag voraussichtlich gemeinsam mit der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag zuzustimmen. 

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