Ganztagsschulversorgung: Nicht alle Schulen geeignet

12. April 2018 von
Die Emil-Langen-Realschule hat bereits ein offenes Ganztagsangebot. Foto: Alexander Panknin
Salzgitter. Die Ratsfraktionen der SPD, CDU, M.B.S. und Bündnis 90/Die Grünen hatten im September die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur gesamtstädtischen Ganztagsschulversorgung mit dem Ziel zu entwickeln, allen Schülerinnen und Schülern den Besuch einer wohnortnahen, mindestens offenen Ganztagsschule zu ermöglichen. Das Ergebnis liegt nun vor.

Der Zwischenbericht wird erstmals Ende April dem Betriebsausschuss Gebäudemanagement, Einkauf und Logistik vorgestellt.

Von den 29 allgemeinbildenden Schulen der Stadt Salzgitter (Förderschulen sind hier nicht berücksichtigt) werden aktuell 20 Schulen als Ganztagsschulen geführt, 13 davon offen und sieben teilgebunden. folgende neun Schulen bislang keine Ganztagsschulen:

  • Grundschule Ringelheim
  • Grundschule An der Wiesenstraße
  • Grundschule Lichtenberg
  • Grundschule Hallendorf
  • Grundschule Am See
  • Grundschule Am Ostertal
  • Grundschule Thiede
  • Hauptschule An der Klunkau
  • Realschule Gebhardshagen

Bedarfs- und Standortanalyse

Ein Konzept zur gesamtstädtischen Ganztagsschulversorgung könne nur im Rahmen einer Bedarfs- und Standortanalyse dargestellt werden. Im Zuge dessen habe die Verwaltung geprüft, ob sich alle bislang nicht im Ganztagsschulbetrieb geführten Schulstandorte, für die Umwandlung in eine Ganztagsschule eignen.

Die Grundschule Ringelheim sei grundsätzlich einzügig und werde im Schuljahr 2017/2018 von insgesamt 85 Schülerinnen und Schülern besucht. Aufgrund schwankender Schülerzahlen könne in den jeweiligen Jahrgangsstufen vereinzelt eine Zweizügigkeit auftreten. Schon jetzt werde die Nachmittagsbetreuung an vier Tagen pro Woche über zwei Hortgruppen mit insgesamt 32 Plätzen abgedeckt. Ein Mittagessen werde ebenfalls für alle Kinder bereitgestellt. Die Schule verfüge über keine Raumressourcen für die Errichtung einer Ganztagsschule. Auch gebe es aktuell keine Initiative der Schule zur Einführung des Ganztagsschulbetriebes.

Das Ganztagsschulprojekt an der Grundschule An der Wiesenstraße habe in der Vergangenheit trotz ausreichend zur Verfügung stehender Raumkapazitäten und Finanzressourcen bisher nicht realisiert werden können, da Elternschaft und die ehemalige Schulleitung die Errichtung einer Ganztagsschule nicht unterstützt haben. Grundsätzlich existieren jedoch entsprechende Vorbehaltsflächen und Vorplanungen, sodass im Falle einer Zustimmung der Schule die Umwandlung in eine Ganztagsschule umgesetzt werden könnte.

Die Planungen für die Errichtung einer Ganztagsschule an der Grundschule Lichtenberg würden seitens der Verwaltung aktuell nicht fortgeführt. Bereits am 16. März 2016 habe der Rat der Stadt Salzgitter im Rahmen seines Haushaltsbeschlusses festgelegt, dass für die Grundschule Mittel in Höhe von 1.050.000 Euro  für den Ausbau zum Ganztagsschulbetrieb zur Verfügung gestellt werden. Die Verwaltung habe seinerzeit daraufhin Kontakt zur dortigen Schulleitung aufgenommen und die Rahmenbedingungen für die Errichtung einer Ganztagsschule abgestimmt. Im Schulgebäude selbst sei die Umsetzung einer Ganztagsschule nicht möglich, sodass die Umsetzung der infrastrukturellen Einrichtungen für einen Ganztagsbetrieb, wie Mensa mit Nebenräumen und Außenbereich, auf einem gesonderten Grundstück erfolgen müsse. Ein entsprechender – mit der Schulleitung abgestimmter – Vorentwurf einschließlich Kostenschätzung liege vor. Der Schulvorstand habe aber am im Februar 2017 gegen die Errichtung einer Ganztagsschule gestimmt. Aus Sicht der Verwaltung sei es ausgeschlossen, dass der Schulträger gegen den Willen der Schule den Antrag auf Errichtung einer Ganztagsschule stellt.

Die Grundschule Hallendorf sei seit Februar 2018 zweizügig und werde im Schuljahr 2017/2018 von insgesamt 128 Kindern besucht. Hier fänden an vier Tagen Nachmittagsangebote in Form von Arbeitsgemeinschaften statt. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler esse im nahegelegenen Kindergarten zu Mittag. Die Schule verfüge über keine ausreichenden Raumressourcen für die Errichtung einer Ganztagsschule. Zurzeit gebe es keine Initiative der Schule zur Umwandlung in eine Ganztagsschule.

An der Grundschule Am See existierten durch den Umzug der Grundschule St. Michael ausreichend Raumressourcen für die Errichtung einer Ganztagsschule; die entsprechende Infrastruktur könne durch vorhandene Vorbehaltsflächen zeitnah geschaffen werden. Ein Nachmittagsangebot in Form von Arbeitsgemeinschaften gebe es bisher lediglich an zwei Tagen. Ein Mittagessen werde nicht angeboten. Seitens der Verwaltung werde an diesem Standort die Errichtung einer Ganztagsschule befürwortet und unterstützt, zumal entsprechende Entwurfsplanungen bereits erstellt und die finanziellen Voraussetzungen geschaffen wurden. Nach Aussage der Schulleitung sei es allerdings aus organisatorischen Gründen bisher nicht möglich gewesen, mit der Ganztagsschulplanung zu beginnen.

Das Ganztagsschulprojekt an der Grundschule Am Ostertal (vier- bis fünfzügig) könne aufgrund fehlender Raumressourcen im dortigen Gebäudebestand nicht umgesetzt werden. Es bestünden zurzeit weder Nachmittagsangebote noch ein Mittagessenangebot. Der Verwaltung läge keine Absichtserklärung der Schulleitung/Elternschaft zur Einführung eines Ganztagsschulbetriebes vor.

Die Situation der Grundschule Thiede (zwei- bis dreizügig) ähnele der der Grundschule Am Ostertal. Auch hier seien die räumlichen Kapazitäten ausgeschöpft. Die Grundschule Thiede biete bereits an fünf Tagen Nachmittagsangebote in Form von Arbeitsgemeinschaften und ein Mittagessenangebot in einer nahegelegenen Senioren-Residenz an. Grundsätzlich sprächen sich Schule und Elternschaft für einen Ganztagsschulbetrieb aus.

An der Hauptschule An der Klunkau gebe es bisher an zwei Nachmittagen Angebote in Form von Arbeitsgemeinschaften für die Schülerinnen und Schüler. Ein Mittagessenangebot gebe es hingegen nicht. Zwischen Schule und Verwaltung würden bereits erste Überlegungen für eine mögliche Umwandlung in eine Ganztagsschule angestellt. Aufgrund der beengten Raum- und Schulgrundstückssituation könne die notwendige Infrastruktur (Mensa) allerdings nicht auf dem Schulgrundstück realisiert werden. Eine alternative Möglichkeit biete jedoch die Mensa des benachbarten Schulzentrums Lebenstedt/Süd. Positive Vorgespräche mit dem Caterer hätten bereits stattgefunden. Grundsätzlich strebe die Schule nach Klärung der dortigen Personalsituation (Besetzung der Schulleiterstelle) die Umwandlung in eine Ganztagsschule an.

Die Realschule Gebhardshagen biete an drei Nachmittagen Arbeitsgemeinschaften für ihre Schülerinnen und Schüler an. Ein Mittagessenangebot gebe es nicht. Bezüglich der Errichtung einer Ganztagsschule habe mit der Schule bereits ein Austausch stattgefunden. Die Verwaltung unterstütze auch hier die Errichtung einer Ganztagsschule. Die entsprechende Infrastruktur könne durch vorhandene Vorbehaltsflächen realisiert werden. Vorplanungen inklusive einer Kostenschätzung seien bereits durchgeführt worden. Die Schule habe sich aus unterschiedlichen Gründen (insbesondere aufgrund des sich aus einer durchgeführten Umfrage resultierenden geringen Interesses am Ganztagsschulbetrieb) jedoch im Oktober 2017 vorerst gegen die kurzfristige Errichtung einer Ganztagsschule entschieden.

Finanzielle Auswirkungen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltssituation der Stadt Salzgitter könnten nur für Unterrichtszwecke nicht mehr benötigte Schulräume baulich zu Ganztagsschulräumen umgestaltet werden. Neubauten seien zurzeit nicht finanzierbar. Für die Schaffung von Räumen für die Mittagessenversorgung und für Freizeitaktivitäten müssten hierbei je nach Gebäudezustand und Zuschnitt der Räume mit einem Investitionsaufwand von durchschnittlich 360.000 Euro je Schule gerechnet werden. Die Kosten für einen Neu- oder Erweiterungsbau lägen hingegen bei mindestens 750.000 Euro.

Weiteres Vorgehen

Die Verwaltung befürworte und unterstütze grundsätzlich die weitere Errichtung von Ganztagsschulen in Salzgitter, allerdings solle das Ganztagsschulangebot – auch vor dem Hintergrund des im vorgenannten Koalitionsvertrages in Aussicht gestellten Rechtsanspruchs auf ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote für alle Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter – in Abstimmung mit den Schulen erst weiterentwickelt werden, wenn die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen des Bundes und des Landes verbindlich feststünden. Der Ausbau der Ganztagsschulen setze voraus, dass finanzielle Ressourcen und entsprechende personelle Umsetzungsmöglichkeiten beim Eigenbetrieb Gebäudemanagement, Einkauf und Logistik Salzgitter zur Verfügung stünden.

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