Männliche Erzieher in der KiTa – Ein Glücksfall?

14. November 2018
Seit mehr als einem Jahr hört er zu, liest vor, hilft beim Essen, trocknet Ärmel oder Tränen, geht mit auf die Toilette, wickelt, tobt, bastelt und malt. Marvin Lucien Keller ist Erzieher. Symbolfoto: Pixabay
Salzgitter. Der Johanniter-Medienservice berichtet in einer Pressemitteilung über das Thema "Männliche Erzieher in der Kita". Am Beispiel der Johanniter-Kita "Helifanten" in Salzgitter-Lebenstedt beschreibe man einen Glücksfall, so die Johanniter.

Marvin Lucien Keller geht schnellen Schrittes den langen Gang entlang, passiert die Badezimmertür, guckt kurz, hält inne, geht hinein und sagt dann: „Nee, Mädels, jetzt lasst mal gut sein, macht mal das Wasser aus. Ihr habt ja schon ganz nasse Ärmel!“ Dann kommt er wieder hinaus und geht weiter den Gang entlang, bis zur Tür der roten Gruppe: Dort ist er eingeteilt.

Marvin Lucien Keller, 23, ist Erzieher in der Johanniter-Kindertagesstätte „Helifanten“ in Salzgitter-Lebenstedt. Seit mehr als einem Jahr hört er zu, liest vor, hilft beim Essen, trocknet Ärmel oder Tränen, geht mit auf die Toilette, wickelt, tobt, bastelt und malt. Mal mit etwas Ruhe, mal im Vorbeigehen, mal mit mehreren Kindern an der Hand – aber immer mit viel Hingabe und Leidenschaft für seinen Beruf.

24-Stunden Betreuung in Planung

Die „Helifanten“ sind erst im Januar 2017 an den Start gegangen, die erste betriebsnahe Kindertagesstätte in Salzgitter: 30 Plätze der vorhandenen 115 sind für Mitarbeiter des Helios-Klinikums reserviert, das gleich nebenan liegt. Das Besondere an der Kita: Künftig werde eine 24-Stunden-Betreuung angeboten, das biete vor allem Eltern im Schichtdienst die Möglichkeit, ihren Beruf auszuüben, so die Johanniter weiter. Die Eltern könnten ihre Kinder liebevoll betreut wissen. Die entsprechende Betriebserlaubnis solle in Kürze erteilt werden, heißt es.

Für Marvin Lucien Keller war ebenjenes besondere Konzept ein Grund, sich für die Arbeit in der Johanniter-Einrichtung zu entscheiden. Für die Kita sei seine Anwesenheit ein Glücksfall – männliche Erzieher sind noch immer rar in Deutschland. Vor allem (aber nicht nur) die Jungs würden sich freuen, dass dank Marvins Anwesenheit auch immer ein Mann vor Ort ist, der mit ihnen raufen kann, der sich kabbelt und ihre Energie in die richtigen Bahnen lenkt. „Jungs haben eine andere Art zu spielen. Die haben mehr Power“, sagt der 23-Jährige. Auch „Helifanten“-Leiterin Sandra Bey ist froh darüber, dass ihre Schützlinge im Kita-Alltag männliche Bezugspersonen – neben Marvin gibt es noch drei männliche Auszubildende – kennenlernen. „Das spiegelt für mich die Gesellschaft wieder“, sagt Bey. Denn die besteht ja nun mal nicht nur aus Frauen. Zudem fehlten heutzutage oft die männlichen Vorbilder in den Familien, eine Lücke, die, zumindest ein klein wenig, durch männliche Erzieher geschlossen werden kann. „Männer gehen anders mit den Kindern um, erhalten so einen einfacheren Zugang zu den Jungs“, sagt Bey.

„Jeder Tag ist anders“

Marvin Lucien Keller habe zunächst eine Ausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik abgebrochen, bevor er sich nach einem Praktikum in einer sozialen Einrichtung für den Beruf des Erziehers entschied. Er schätzt die Freiheit, die seine Arbeit ihm bietet. „Man kann vieles sehr frei gestalten, ohne Vorgaben.“ Jeder Tag sei anders, was zähle, seien die Bedürfnisse der Kinder. Und wenn die neuen Steckblumen hoch im Kurs stünden, würden nun einmal Steckblumen gesteckt – oder eben nasse Ärmel getrocknet.

Für die Johanniter ist die Kita „Helifanten“ die zweite Einrichtung, die sie in Salzgitter betreiben. Insgesamt eröffnete die Hilfsorganisation in Niedersachsen und Bremen in den vergangenen Monaten immer mehr Einrichtungen, um die Nachfrage zu decken – allein zehn Kitas sind für 2018/2019 in Planung. Im Landesverband betreibt die Hilfsorganisation derzeit 28 Kindertagesstätten und beschäftigt rund 350 Mitarbeiter. Gemäß einer Studie der Bertelsmann Stiftung fehlen derzeit bundesweit 103.000 pädagogische Fachkräfte. Die Johanniter haben aktuell noch offene Stellen zu besetzen.

Mehr Lohn in Aussicht

Alle Mitarbeiter, die auf Basis des Johanniter-eigenen bundesweiten Tarifes, beschäftigt sind, erhielten bis 2021 schrittweise mindestens 10,23 Prozent mehr Gehalt, berichtet der Medienservice der Johanniter. Auch die Auszubildenden der Johanniter würden von den kürzlich vereinbarten Entgeltanhebungen profitieren. Zusätzlich würden die Ausbildungsvergütungen zum 1. Januar 2019 einmalig um 6,5 Prozent erhöht. Damit ergebe sich für alle Auszubildenden der Johanniter insgesamt ein Plus von 17,39 Prozent bis 2021.

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