Nicht qualifiziert genug? Verein SuPer Salzgitter in der Kritik

1. Oktober 2019 von
Gianluca Calabrese und Patrick Wassmann vom Verein SuPer Salzgitter. Archivfoto: Alexander Panknin
Salzgitter. Seit seiner Gründung 2016 setzt sich der Verein SuPer-Salzgitter für Menschen mit Suchtproblemen ein. Eine gute Sache sollte man meinen. Doch offenbar sieht das nicht jeder so. In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, übt die Salto Suchthilfe Salzgitter der AWO Kritik an dem Verein und warnt vor dessen mangelnder Qualifikation. regionalHeute.de ging der Sache einmal nach.

In dem Brief, der unter anderem an die Stadt Salzgitter gesendet wurde, heißt es: „Wir möchten mit diesem Schreiben die öffentlichen Einrichtungen darauf aufmerksam machen, dass eine genaue Prüfung der Qualifikationen und rechtlichen Bedingungen der Aktionen des Vereins empfehlenswert ist, um weder schutzbedürftige Minderjährige noch die eigene Einrichtung zu gefährden.“ Die AWO-Suchthilfe wirft dem Verein SuPer Salzgitter und dessen Gründer Gianluca Calabrese vor, nicht die nötige Qualifikation für eine Suchtberatung zu haben, insbesondere auch weil sich seine Arbeit dem Qualitätsmanagement des Landes entziehe. Für das Arbeiten an Schulen könne er keinen pädagogischen Hintergrund vorweisen. Zudem gebe es für eine akzeptierende niedrigschwellige Drogenarbeit in Salzgitter keinen Bedarf, so das Schreiben.

Gianluca Calabrese selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht mehr äußern, um nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Er habe immer eine Zusammenarbeit mit der Salto Suchthilfe gesucht, so der Vereinsgründer im Gespräch mit regionalHeute.de. Er finde es bedauerlich, dass man ihn dort offenbar als unliebsame Konkurrenz sehe.

Stadt sieht Ergänzung, keine Konkurrenz

Die Verwaltung der Stadt Salzgitter sieht SuPer Salzgitter mit seinem niedrigschwelligen Angebot dagegen nicht als Konkurrenz, sondern eher als Ergänzung zum bestehenden Angebot. Das erklärt Simone Kessner, Fachbereichsleiterin Strategische Planung, auf Anfrage. Der Verein, der durch die Stadt Zuschüsse für seine Personalkosten bekomme, ergänze die Angebote der örtlichen Suchtberatungsstellen mit diversen Angeboten. Dazu gehörten unter anderem das Engagement von Betroffen für Betroffene als Verarbeitungsstrategie, Selbsthilfe-Aktivitäten für Menschen mit einer Suchterkrankung oder Betreuungs- und Präventionsangebote für Migranten mit vorhandenen vereinsinternen Dolmetschern.

„Grundsätzlich gilt, dass es aus Sicht der Verwaltung wünschenswert wäre, wenn Meinungsverschiedenheiten fachlicher Art zwischen den Anbietern von Hilfen in dem Sozialpsychiatrischen Verbund (SPV) beziehungsweise in den eingerichteten Fachgruppen, wie zum Beispiel der Fachgruppe Sucht, diskutiert werden“, erklärt Simone Kessner zum Salto-Brief. Das Gesundheitsamt habe zwar die Geschäftsführung im SPV, aber keine rechtliche Befugnis, Trägern der Suchthilfe die Erbringung von Hilfen zu verbieten oder zu bestimmen, wer im Sozialpsychiatrischen Verbund mitarbeite. Dies könnten aber ausdrücklich auch psychiatrierfahrene Menschen oder Nicht-Fachleute sein, welche dann durchaus auch kontroverse Ansichten einbringen würden.

„Die Grundannahmen sind falsch“

„Ich glaube, der Briefeschreiber hat sich alleine schon in seinen Grundannahmen kräftig geirrt oder wollte aus anderen Gründen Unruhe stiften“, findet Günter Ott, Pressesprecher der TAG in Salzgitter, deutliche Worte. Das Unternehmen arbeitet mit dem Verein SuPer Salzgitter eng zusammen. Gemeinsam hat man in diesem Jahr den Sozialtransferpreis der IHK Braunschweig verliehen bekommen. „SuPer Salzgitter verstehen wir nicht – und SuPer Salzgitter versteht sich auch selbst nicht – als professionelle Einrichtung. Hier findet Begegnung statt und gegebenenfalls ein Aufzeigen von weiteren Hilfen, je nach dem persönlichen Bedarf“, so Ott weiter. Das geschehe in allen weiteren sieben Mietertreffs der TAG in Salzgitter. Unter anderem seien die Treffs auch dafür da. „Deshalb greifen die Vorwürfe des Briefschreibers alleine schon nicht“, betont Günter Ott auf Anfrage von regionalHeute.de.

Der Verein SuPer Salzgitter mache in einem schwierigen Quartier der TAG in Salzgitter Begegnungsarbeit. Ziel sei es, bestimmte Personen von der Straße zu holen und notfalls Wege aufzuzeigen, wie man im schwierigen Lebenssituationen weitere Hilfe bekommen kann. Hier gehe es nicht um fachliche Beratung, sondern um ein niederschwelliges Angebot. „Ob es dafür einen Bedarf gibt, entscheidet die TAG mit ihren 1.500 Wohnungen im besagten Quartier immer noch selbst“, betont Ott.

„Lebensnaher Unterricht kann sehr hilfreich sein“

Auch zu einem anderen Salto-Vorwurf nimmt der TAG-Pressesprecher Stellung: „Ob Schulen Herrn Calabrese zum Unterricht einladen, liegt nicht in der Verantwortung der TAG, sondern ganz alleine in der Verantwortung der Schulleitung. Lebensnaher Unterricht kann jedoch sehr hilfreich sein. Und Lebensnähe kann Herr Calabrese sicherlich zur Genüge bieten.“

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