Rosin räumt auf: Emotionales Erwachen bei „Auf zu Manu“

10. Juli 2019 von
Zehn Tage lang stellten Frank Rosin und sein Team die Kneipe "Auf zu Manu" im Vereinsheim des TSV Salzgitter auf den Kopf - Es sind viele Tränen geflossen. Foto: Rudolf Karliczek
Salzgitter. In zehn Tagen von Flop zu Top. Für eine neue Folge der beliebten Sendung "Rosins Restaurants - Ein Sternekoch räumt auf" wurde bei "Auf zu Manu" im Vereinsheim des TSV Salzgitter gedreht. Morgen steht das finale Testessen an - Inhaberin Manu Relitz und Sternekoch Frank Rosin gaben heute kleine Einblicke, was die Zuschauer - und die künftigen Gäste - erwarten können.

Für Inhaberin Manu Relitz und ihre Mutter Maria Matthies, die ihre Tochter bei der Leitung des Restaurants tatkräftig unterstützt,  gab es viel zu lernen: „Als Frank Rosin das erste Mal bei uns im Lokal stand, waren wir total aufgeregt. Wir wussten nicht, was passieren wird. Die Tür ging einfach auf, da bin ich!“, schildert Manu die ersten Momente. „Mein bester Freund und mein Lebensgefährte hatten gemeinsam die Idee, Frank zu rufen und wir haben es auch geschafft!“ 

In dem Moment, als der Sternekoch und sein Team von Kabel Eins das Lokal betreten haben, ging es los. Nachdem kritisch durchgetestet wurde, wie das Essen schmeckt und wie die Küche aussieht, ging es den Problemen an den Kragen. Doch welche Probleme gibt es bei „Auf zu Manu“ genau? Rosin stellt dazu zunächst nüchtern fest: „Es ist wie überall, die Leute können ihren Job nicht – weil sie ihn nicht gelernt haben.“

Gastronomie wird unterschätzt

Die Stadt Salzgitter kannte der gebürtige Dorstener vorher nach eigener Auskunft nur vom Vorbeifahren, muss aber feststellen: „Es ist eine schöne Stadt. Wir sind hier sehr nett aufgenommen worden und haben hier nur positive Menschen getroffen, die uns sehr unterstützt haben.“ Rosin arbeitet nicht allein. Hinter ihm steht ein Team von fast 80 Leuten, die den Gastronomen in Not ihre gebündelte Expertise zur Verfügung stellen. Die meisten davon seien in München. „Vor Ort sind wir zwölf bis 15 Leute. Ich bin auch nur ein Teammitglied, nur ein Baustein des Ganzen“, erklärt der Koch und schildert die Situation im Lokal in Salzgitter: „Viele unterschätzen, dass die Gastronomie inzwischen ein mittelständisches Unternehmertum geworden ist, dass kann man mit einem Ausbildungsinhalt der fünfziger und sechziger Jahre überhaupt nicht greifen. Dass die Ausbildungsmodalitäten für diesen Beruf immer leichter werden, damit auch die Doofen durchkommen, endet natürlich darin, dass diejenigen, die ausgebildet sind schlecht sind und die, die  gar nichts können, noch viel schlechter sind.“ Das Problem bestünde aber laut Rosin in ganz Europa: „Es ist leider in Deutschland so, dass man in der Gastronomie Unternehmer sein darf, auch wenn man den Beruf nicht gelernt hat.“ So manch einer zweifelt nach diesem Statement daran, ob zehn Tage intensives Coaching eine ganze Ausbildung ersetzen können – den Anspruch hat Rosin aber auch gar nicht und stellt klar: „Wenn ich ihnen zehn Tage verbal auf die Fresse haue, werden sie das ihr ganzes Leben nicht vergessen.“

Zehn Tage, dann geht es weiter

Mindestens ein Jahr bleibt das Team von Kabel Eins nun noch mit „Auf zu Manu“ in Kontakt. Immer zur Stelle, um Fragen zu beantworten und Hilfestellungen zu geben. „Daraus sind auch schon tiefe Freundschaften entstanden“, berichtet der Fernsehkoch. „Ich bin sehr stolz darauf, dass wir mit dem Team Rosin eines der längsten Formate in diesem Genre sind und wir uns immer weiter entwickeln.“ Wie hoch die Erfolgsquote der Arbeit seines Teams ist, möchte er allerdings nur ungern beantworten. „Es hängt davon ab, ob derjenige, dem ich mein Wissen vermittele, es auch umsetzt. Was wir machen, ist Hilfe zur Selbsthilfe – Ich komme nicht hierher und bin so arrogant zu sagen ‚du musst das jetzt so machen‘, sondern gebe Empfehlungen ab, wie es besser laufen kann. So, wie es jetzt läuft, funktioniert es ja offensichtlich nicht.“ Den Erfolg seiner Maßnahmen haben Rosin und sein Team also nur teilweise in der Hand – es muss auch ankommen. Bei Manu Relitz und ihrer Mutter ist der Groschen gefallen: „Er hat uns gekriegt, er hat uns wachgerüttelt. Es war schwer, es war tränenreich, und sehr emotional“, resümiert Relitz und fügt hinzu: „Aber ich denke, wir machen das Beste draus, weil wir jetzt wissen: Das wollen wir und wir geben jetzt Gas!“ 

Starkoch wettert gegen Stadt Salzgitter

Die Betreiber seien für das Erscheinungsbild ihrer Lokalität leider nicht allein verantwortlich, hebt Frank Rosin hervor: „Die Stadt als Verpächter muss hier dringend mal Hand anlegen. Es kann nicht sein, dass die Grünflächen nicht gereinigt werden und wenn die Herrschaften hier die Grünflächen reinigen wollen, sagt die Stadt: ‚Das dürft ihr nicht‘ – sowas beklopptes hab ich echt noch nie gehört!“

Die Realität ist härter als die Sendung

Den erfahrenen Augen von Fernsehkoch Frank Rosin und seinem Team entgeht nichts – das Format läuft jetzt seit zehn Jahren. Foto: Rudolf Karliczek

Besonders wichtig ist Rosin klarzustellen, dass es sich bei seiner Sendung keinesfalls um ein Scripted-Reality Format handelt: „Wir drehen nicht und helfen, sondern wir helfen und nehmen das auf“, umschreibt Rosin die Arbeit seines Teams: „Hier ist nicht ein Satz gestellt und nicht ein Satz aufgeschrieben. Ich komme hier an, und dann geht es los.“ Viele Fälle treffen den Koch auch als Person: „Die Schicksale treffen mich immer. Wenn ich das mit nach Hause nehmen würde, hätte ich das mit meinem Team keine zehn Jahre geschafft. Vielleicht nicht mal ein Jahr“, resümiert Rosin nachdenklich und fügt hinzu: „Viele Zuschauer denken immer, dass wir eine Sendung sind, wo vieles auch einfach inszeniert ist, das ist nicht wahr und das werden auch alle Beteiligten bestätigen, es ist viel schlimmer. Wir lassen teilweise 30 Prozent der scharfen Inhalte raus, um die Menschen einfach in der Öffentlichkeit nicht bloßzustellen. Das, was man sieht und wo man sich teilweise die Hand vor den Mund hält und sagt ‚ach du meine Güte‘, das ist noch nicht mal annähernd 70 Prozent von dem, was wir gedreht haben.“ 

 

Was hat sich geändert, was wird sich noch ändern? 

Neben der Speisekarte hat sich auch das Innere der Kneipe radikal verändert. Auch der Außenauftritt ist neu – ein neues Schild an der Fassade soll einladender wirken, auch die Speisekarte kann alte und neue Gäste überraschen. „Ich bin gespannt, wie die Gäste das annehmen werden“, freut sich Manu. Am Biergarten wird derzeit noch gearbeitet – manches seien eben langfristige Projekte. „Nun gilt es, alles in die Tat umzusetzen was wir gelernt haben – und wir sind stark dabei noch einiges zu lernen“, so die Inhaberin abschließend. Morgen steht das finale Testessen mit einer Jury an – wie das ausgeht, wird wohl erst bei der Ausstrahlung der Folge zu sehen sein. 

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