Wolfenbütteler Erfinder tüftelt an „fliegendem Flüchtlingslager“

4. Oktober 2019 von
Matthias Roßberg auf den sieben Grundelementen, die zusammengesteckt werden und den Boden eines Flüchtlingshauses bilden. Die mittleren sind gefüllt mit lebensnotwendiger Ausstattung. Die Seitenteile enthalten Teleskop-Elemente, die als Seitenwand hochgefahren werden. Hinten an der Wand ist der Landevorgang per Fallschirm erklärt. Foto/Montage: Firma Roßberg
Wolfenbüttel. Der Wolfenbütteler Unternehmer und Erfinder Matthias Roßberg arbeitet an unkonventionellen, mobilen Notunterkünften, die bei Kriegen und Naturkatastrophen von Flugzeugen aus, in betroffene Gebiete abgeworfen werden können. Er selbst spricht vom "Fliegenden Flüchtlingslager" oder auch Yellow-Camp, angelehnt an die gelbe Farbe der Transportboxen.

Das von ihm erdachte Prinzip einer Transportverpackung, die zum Leichtbau-Haus wird, könnte in großer Stückzahl jeden Punkt der Erde erreichen. „Mir geht es darum, Menschen nach Naturkatastrophen und Kriegen schnellstmöglich und gezielt helfen zu können“, sagt er. Die Idee: „Aus Flugzeugen abgeworfene gelbe Boxen öffnen sich in der Luft und gelangen mit Fallschirmunterstützung sicher in die betreffende Region.“ So könne man selbst Orte erreichen, in denen durch Hochwasser oder Vegetation keine Flugzeuge landen können.

Ein Haus im Baukasten-Prinzip

Das System ist nach einem Baukasten-Prinzip aufgebaut und bietet Stau- und Nutzraum für eine achtköpfige Gruppe. Zudem plant Roßberg den Boxen Wasser und Nahrungsmittel, Kleidung, eine Erste-Hilfe-Ausrüstung sowie einen Werkzeugsatz zur Eigeninitiative beizulegen. Wichtig ist Roßberg, dass die gelben Häuser nicht nur in internationalen Kriegsgebieten helfen können, sondern auch raschen Schutz bei Evakuierungen oder Hochwasser in der westlichen Welt bieten. „Ich stelle mir ein Netz aus Stützpunkten vor, an denen die ‚Yellow Camps‘ gelagert werden und von wo sie innerhalb von vier Flugstunden jeden Ort erreichen können.“ Lagerung und Transport habe der Wolfenbütteler Erfinder und einstige Soldat bei seiner Planung mit bedacht: „Die Abmessungen sind auf Transportflugzeuge der Nato abgestimmt und perfekt mit einem Gabelstapler zu verladen.“

Die Konstruktion der Notunterkünfte sei so ausgelegt, dass sie leicht von zwei Personen auf- und wieder abgebaut werden können. „Die Häuser lassen sich am Einsatzort leicht umsetzen, können nach dem Ende der Mission aufgeladen werden und sind wiederverwendbar.“ Auf den Luftwaffenstützpunkten seien die deutlich gekennzeichneten gelben Kisten schnell auf das jeweilige Einsatzszenario abzustimmen und in Hinblick auf die Mission individuell zu bestücken. „Aufgrund der Variabilität des Systems ist die humanitäre Hilfe an den verschiedenen Standorten wie Wüsteneinsatz, Hochwassereinsatz und gegebenenfalls im Wasser möglich.“

Religiöse Bedürfnisse beachten

Das Projekt befindet sich derzeit in der ersten Entwicklungsphase, wie Roßberg im Gespräch mit regionalHeute.de erklärt. Einen ersten Prototypen hat er bereits auf seinem Grundstück errichtet. Diesen will er demnächst Vertretern unterschiedlicher Glaubensrichtungen präsentieren und von ihnen in Erfahrung bringen, welche unterschiedlichen religiösen Bedürfnisse bedacht werden müssen. „Es geht viel mehr um den Menschen, als um die Technik“, beschreibt Roßberg die Herausforderung bei seiner Erfindung. Doch bevor das „fliegende Flüchtlingslager“ tatsächlich in Serie gehen kann, sind noch viele Schritte nötig, die der Tüftler Roßberg zügig vorantreiben will.

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